Ateliers Jean Nouvel: Eine fast weiße “Ycone” für La Confluence in Lyon

13. Januar 2020 | ÖZLEM ÖZDEMIR

In La Confluence zeigt Jean Nouvel, Pritzkerpreisträger und Architekt von weltweit gebauten Ikonen wie Institut du Monde Arabe in Paris, Torre Agbar in Barcelona und Musée national du Qatar in Doha: Auch Wohnhäuser können zum Zentrum der Aufmerksamkeit werden. Der neue Stadtteil von Lyon mit dem bezeichnenden Namen ist nicht arm an spektakulären Bauwerken und wurde 2019 um ein weiteres bereichert. Der turmähnliche Bau birgt hinter seiner hellen und fast aufgelösten Fassade hauptsächlich Apartments und trägt den nicht minder sprechenden Namen „Ycone“.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo © Guillaume Perret, Ateliers Jean Nouvel

 

Wie eine spitz zulaufende Zunge oder der Kopf eines Delphins, der genau an der Stelle ins Wasser springt, wo die Rhône mit der Saône zusammenfließt – so ungefähr wirkt das äußerste Ende des Lyoner Stadtteils, der heute genauso heißt, wie das was hier passiert: Confluence, zu deutsch Zusammenfluss. Zwischen 1770 und 1850 war diese dreieckige Südspitze der Perrache-Halbinsel durch Landgewinnung entstanden, um Raum zu schaffen für Industrie, Handel und Bahn und für all das, was der gute Lyoner nicht mehr in seiner Nähe haben wollte, wie etwa Gefängnisse, Schlachthöfe usw. Seit 2003 versucht Lyon, diese mittlerweile zu Brachland verkümmerte Zone von 150 ha Fläche in ein Wohn- und Geschäftsviertel zu verwandeln.

Der architektonische Eifer im Stadtteil La Confluence soll noch bis mindestens 2025 andauern. Hier und da gibt es schon längst einige Stars, wie etwa der 2010 fertiggestellte Orange Cube von Jakob+MacFarlane, der offensichtlich so beliebt war, das bereits 2014 das Gebäude für Euronews Headquarters – auch genannt „Green Cube“ – entstand. Viele andere renommierte Architekturbüros durften sich ausleben bei diesem urbanen Projekt: So etwa Herzog & de Meuron – von denen die 2. Phase des Masterplans stammt -, coop himmelb(l)au, Odile Decq, Fuksas, MVRDV, um nur einige zu nennen.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo © Guillaume Perret, Ateliers Jean Nouvel

 

Aber auf einen ganz bestimmten Architekten hatte vielleicht ganz Lyon gelauert und so verkündete 2015 die französische Presse „le come-back de Jean Nouvel“1. Damit konnte er hier, nach seinem Umbau der Opéra national de Lyon von vor fast drei Jahrzehnten, ein weiteres Werk vollenden. Diesmal ist es ein Neubau im 2. Arrondissement. Dieser Wohnturm mit 16 Geschossen, der zusammen mit der Dachkonstruktion, eine Höhe von annähernd 64 m auweist, nennt sich Ycone. Er bietet 92 Wohneinheiten (darunter 27 Sozialwohnungen) in der Größe von 30 – 215 m2, und mischgenutzte Bereiche auf den unteren Ebenen. Das Gebäude steht in der Straße Passage Panama. Wobei zu seinen Füßen leider nicht der Panama-Kanal liegt, auch nicht die Saône oder Rhône, sondern etwas ähnlich Dahingleitendes: ein Bündel von Bahngleisen. Letztere werden zusammen mit den allzu dicht liegenden Bürobauten nicht unbedingt nur als poetisches Element betrachtet, sondern auch mit Hinblick auf die Immobilienpreise angeführt; denn trotz reklamierter Erschwinglichkeit werden sie als hoch eingestuft2. Der Preis pro Quadratmeter liegt zwischen 4.800 und 10.000 Euro. Doch dies schien die Käufer nicht abgeschreckt zu haben: Alle Wohnungen wurden innerhalb von 6 Monaten verkauft (35 % davon an Investoren)3.

Trotz all dieser trockenen (wenn auch wichtigen) Fakten: Ycone ist umgeben von Wasser und Hafenambiente, das die meisten Bewohner allein durch seinen turmhaften Charakter zumindest visuell genießen können. Aber dies ist nicht allein der Grund, warum manch einem Betrachter beim ersten Kennenlernen von Ycone vielleicht ein ganz bestimmter Name durch den Kopf schießt: William Turner. Der britische Maler mit der unvergleichlichen Schwäche für das nasse Element war 1851 verstorben (also kurz nach dem die Landgewinnung von Lyon vollzogen war) und wir dürfen annehmen, er hätte in diesem Bauwerk eine Art von Seelenverwandten seiner eigenen Gemälde entdeckt.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel

 

Wodurch der Turner-Touch entsteht? Er ist klar und deutlich auszumachen an der Verschwommenheit und scheinbaren Verwischung von Grenzen (diese Intention kommt besonders gut in den abstrakt gehaltenen Fassadenstudien zum Ausdruck). Auch das Helle, genauer gesagt der Eindruck von Durchschimmern von Licht und die zarte pastellhafte Farbatmosphäre gehören dazu. Es gibt wohl wenige Gebäude, bei denen es sich lohnt, ihr Äußeres unter verschiedenen Wetterumständen, bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu betrachten. Ycone eignet sich dafür hervorragend.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo ©  T. Mercadal, Ateliers Jean Nouvel

 

Beginnen wir also mit der Gebäudehülle. Das Markante daran ist ganz offensichtlich ihre Mehrschichtigkeit. Fast ist man unsicher, wie viele Schichten es sind (einen so aufgelösten Eindruck macht sie), aber es sind letzten Endes nur zwei. (Genau genommen sind es drei, dazu später mehr). Für die Betrachter fällt als erstes das fragil wirkende metallene und weiß gestrichene Gerüst ins Auge. Dieses Gefüge aus Aluminiumprofilen (das nebenbei bemerkt wie ein strukturelles und materielles Echo der Bahngleise wirkt) ist einer rundherumlaufenden Balkon- und Loggienebene vorgelagert und ist so zusammengesetzt, dass verschiedene Formen von Rechtecken in unterschiedlichen Größen entstehen. Das orthogonale Gestaltungsprinzip scheint hierbei bewusst zufällig oder beliebig zu sein, vielleicht um das Gefühl von Lockerheit zu unterstreichen.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo © Guillaume Perret, Ateliers Jean Nouvel
Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo © C. Morel Journel, Ateliers Jean Nouvel

 

Die Rechtecke, die diesen „lockeren Rahmen“ bilden, sind mal offen belassen, mal mit Glas gefüllt. Besonders die vertikal ausgerichteten Glaselemente gehen dabei nicht selten über Betondecken hinweg: eine geschickte Maßnahme, um einerseits die Unabhängigkeit zwischen tragender Konstruktion und Hülle zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig den bereits angesprochenen Effekt der Unschärfe oder Unklarheit zu erzielen. Ist diese Verwirrung gewollt? Fast scheint es so, denn je höher die Betrachter am Gebäude hochblicken, desto mehr Fragen tauchen auf. So zum Beispiel: Warum geht diese Metallschicht der Fassade in den oberen Gefilden in Abstand zum Gebäude – wozu diese Loslösung? Je nachdem von welcher Seite man das Gebäude betrachtet: Etwa ab dem 7. oder 11. Geschoss knickt dieses Metallgebilde nach außen hin ab. Eine mögliche Erklärung wäre, dass ihre Losgelöstheit und Leichtigkeit erst hierdurch wirklich zum Ausdruck kommt. Wäre dieser obere Bereich nicht in dieser Weise behandelt, würde die Luftigkeit der gesamten Gebäudehülle um einiges geringer empfunden werden. Ein gewitzter Nebeneffekt ist vielleicht, dass durch dieses kiemenartige Abspreizen der oberen Fassadenenden das Gebäude in ihrer Silhouette einem großen Y gleicht und damit dem Anfangsbuchstaben seines Namens.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo © Guillaume Perret, Ateliers Jean Nouvel

 

Der Höhepunkt der fast schwebenden Leichtigkeit, die so charakteristisch ist für diesen Wohnbau, geschieht im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Dach von Ycone. Denn in diesem Bereich passiert es nun, dass Teile von der Fassadenhülle gleichsam abzublättern scheinen und sich gleitend und sachte über das Haupt des Gebäudes legen. (Dass diese Konstruktion 88 Tonnen wiegen soll, ist bemerkenswert). Der Form nach, entsteht eine Persiflage eines Giebeldaches. Es ist nach dem gleichen Rasterprinzip der restlichen Metallfassade gegliedert und z. T. bestückt mit Lamellen (statt Glas). Natürlich gibt es, neben ästhetischen Effekten wie Licht- und Schattenspiele, auch einige pragmatische Gründe für diese Art des Daches. Da ist zum einen die Funktion eines dezenten Sonnenschutzes, denn immerhin befindet sich hier ein Swimmingpool unter freiem Himmel. Auch als Windschutz ist die Dachkonstruktion denkbar. Zum anderen liegt aber auch der Verdacht nahe, dass dieser obere Abschluss noch einen ganz anderen Hintergrund hat. Denn, ein Giebeldach (und sei es auch nur die Nachzeichnung eines solchen) scheint für einen Turm (wenn man denn Ycone tatsächlich so nennen darf) fast deplatziert. War das Büro möglicherweise durch irgendwelche planerische Vorgaben gezwungen, für eine Verschattung der obersten Wohnungsterrassen zu sorgen? Und lag der einzige Ausweg darin, die „Giebelflächen“ großzügig über sie hinweg auskragen zu lassen? Wie auch immer, am Ende fügt sich alles glücklich zusammen. Denn auf diese Weise wird der Ausdruck der sich oben wegklappenden Bereiche der vertikalen Fassade bereichert oder sogar vervollständigt: Nimmt man nun die schrägen metallenen Dachelemente hinzu, wirkt das Ganze so, als würde die äußerste Fassadenhülle nach oben hin aufplatzen oder aufblühen.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo © Guillaume Perret, Ateliers Jean Nouvel

 

Bleiben wir bei der letzteren metaphorischen Andeutung und kommen damit zum nächsten wichtigen Thema von Ycone: die Farben. Sie sind keineswegs von leuchtender oder blumiger Art. Vielmehr orientierte sich Nouvel am Viertel Vieux-Lyon, genauer gesagt an seinen Bauten aus dem Mittelalter und der Renaissance und ihren pastell gefärbten Fassaden. Aber noch einen anderen Grund gibt es für diese spezielle Wahl und diesen formuliert Nouvel folgendermaßen: „Ich habe versucht, im Rahmen meines Verständnisses und meiner Interpretation die Vorgaben meiner Freunde Jacques Herzog und Pierre de Meuron zu respektieren und somit mit diesem Rhythmus der weißen Interpunktion zu spielen.“4 Wir erinnern uns: Seine Schweizer Kollegen waren es, die mit der 2. Phase des Masterplans beauftragt waren und in diesem scheint Weiß in irgendeiner Weise (über die uns Nouvel im Unklaren lässt) eine wichtige Rolle zu spielen, an die man sich zu halten hatte. Und Nouvel hielt sich daran, allerdings auf seine ganz eigene Art. Ein klein wenig mysteriös, aber durchaus konsequent, fährt er in seinen Ausführungen über die Farben bei Ycone fort: Er hätte ein wenig wie bei den Homöopathen, einen Farbtropfen in Weiß verdünnt, um damit eine Spur von Pastell zu erzeugen4. Gemeint sein könnte damit, dass er Farben in einer so niedrigen Dosierung verwendet hat, die man praktisch als nicht existent bezeichnen darf und die doch (wenn nicht einschlagend so doch subtil und reizvoll) Wirkung zeigt auf den Gesamtorganismus Ycone.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel
Courtesy of Ateliers Jean Nouvel

 

Und ähnlich wie ein Organismus eine Haut hat, so gibt es sie auch bei diesem Bauwerk, sogar mitsamt den drei Schichten, wie sie in der Biologie oder Medizin klassifiziert werden. Als da wären: 1. die Epidermis, die bereits beschriebene Metallebene der Fassade; 2. die Dermis, die Zwischenzone, gebildet von der rundherum laufenden Balkon-und Loggienebene, die Nouvel selbst angelehnt an das japanische Vokabular mit Ma5 bezeichnet (von Menschen in unterschiedlichsten alltäglichen Szenerien bespielt ist sie ein nicht unerheblicher Aspekt des Entwurfs). Und schließlich gibt es 3. die Hypodermis, die raumabschließenden Wände, die gleichsam vor der äußersten Schicht zurückweichen. Diese wie versteckte „Hauptfassade“ besteht aus Beton, Holz- und Aluminiumrahmen, die mit pulverbeschichteten Aluminiumkassetten verkleidet sind. Der chromatische Verlauf folgt dabei einem Konzept. Erdige und pflanzliche Töne tauchen in den unteren Zonen auf, in der Mitte liegt der Schwerpunkt auf Orange und Ocker und in Richtung Himmel mischen sich immer mehr blaue Tupfer ein. Die Palette umfasst 21 Töne. Vergessen werden darf hierbei nicht der Einfluss der vorgelagerten Schicht aus Metall und Glas. Denn vor allem durch die Lichtbrechungen und Reflexionen der Glasflächen wird die Wahrnehmung der Farbnuancen noch zusätzlich „gefärbt“. Manchmal spiegeln sich natürlich auch bruchstückhaft die Wolken oder vielleicht andere Objekte der Umgebung darin, womit ein weiterer visueller Faktor von gänzlich immaterieller Art mit hineinspielt und mit ihm das Potenzial des Changierens noch verstärkt wird.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Photo © Guillaume Perret, Ateliers Jean Nouvel

 

Es ist nicht zu übersehen: Der subtilen Phänomene scheinen bei Ycone keine Grenzen gesetzt und so finden sie die Bewohner auch im Innenleben ihres Hauses wieder. Es kann nicht auf jedes Detail eingegangen werden, nur so viel: Vor allem bei den gemeinschaftlich genutzten Räumen wurde viel Wert auf Atmosphäre gelegt. So ist man in den Etagenfluren bzw. auf den Treppenpodesten umgeben von neonbeleuchteten Polykarbonatplatten mit einer farbigen gelatineartigen Schicht. Je nach Etage greifen sie vier Farbtöne der Fassaden-Chromatik auf.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel

 

Alle Zwischenräume, wie etwa Balkone und Terrassen, haben einen Kunstharzboden, der das Gefühl der Kontinuität zwischen dem Inneren und dem Äußeren jeder Wohnung betonen soll. Die Terrassen erhalten gewebte Gittergeländer: eine unkomplizierte Lösung, die erneut für Leichtigkeit sorgt. Last but not least: Zur Farbenvielfalt gesellt sich ein differenziertes Glassortiment. Fünf Varianten kommen zum Einsatz, um das Thema der Transparenz nicht langweilig werden zu lassen: Zwei glatte Sorten, wobei eines davon reflektierend und das andere klar ist und drei Typen von Ornamentglas mit unterschiedlicher Oberflächenstruktur bzw. Muster.

Kurzum: Der Strukturalist und Kontextualist Jean Nouvel versucht bei Ycone erneut zu zeigen, wie kritisch er dem weltweiten Phänomen des Klonens in der Architektur gegenüber steht. Die Wohnungen oder andere Räumlichkeiten selbst (auf die in diesem Artikel nicht weiter eingegangen wurde) weisen mindestens insofern Vielseitigkeit auf, als dass die Raumhöhen leicht differenziert sind und verschieden geschnittene Einheiten in unterschiedlichen Größen angeboten werden. Auch das Thema der Flora (die Nouvel immer mehr in seine Arbeiten mit einbezieht), kommt auf seine Kosten, in Form von sorgfältig ausgesuchten Bäumen in den unteren Zonen. Das Wichtigste scheint aber zu sein: Sowohl das Äußere als auch das Innere von Ycone vibriert in einem Meer von Farben und Materialien und Lichteffekten.

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel (Eingangshalle / Ycone)

 

Aber selbstverständlich sind diese Gestaltungsmittel im Werk von Nouvel nicht neu. Ja, vielleicht lohnt sogar der ein oder andere Quervergleich zu einigen seiner bisherigen Projekte, um die Evolution dieses Entwurfs zu verstehen (so z. B. La Marseillaise, fertiggestellt 2018 , Tower25-White Walls, fertiggestellt 2015 oder, um in der Chronologie noch weiter zurückzugehen, Fondation Cartier, fertiggestellt 1994).

„Frankreich zeigt, wie nachhaltiger Städtebau aussieht“, sagt Hubertus Adam in der Neuen Zürcher Zeitung6 im Zusammenhang mit Ycone. „Lyon is starting to look like Coney Island“, lautet ein Leserkommentar auf archinect.com7. Fest steht, dass sich in diesem erst seit einigen Jahren erneuerten Stadtteil – mit seinen vielfältigen Angeboten für Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur – insbesondere eines gelungen zu sein scheint: gut durchmischte oder gar quirlige Urbanität. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigen die angestrengt wirkenden Versuche in anderen Ländern, wie etwa die HafenCity in Hamburg, die als Trend- oder Reichenviertel oder Öko-Superstadt eher verpönt als beliebt ist oder war – die Akzeptanz soll angeblich zunehmen. (Lebendigkeit lässt sich nur nach eigener Erfahrung empfinden und bemessen. Aber wahrscheinlich bleibt für manch einen zweifelhaft, ob sich HafenCity jemals organisch in eine pulsierende Gegend verwandeln wird.)

Um zum Schluss zu kommen: Ein ikonenhafter Hingucker für den ersten Blick ist Ycone, trotz des sprechenden Namens und seines Herausragens aus der aktuellen Silhouette von Confluence, nicht unbedingt. Aber dieses Gebäude steht unübersehbar, bei all seinem eigenen dezenten Ausdruck, für Leichtigkeit, für Überraschungen und für ein gewisses luftiges und buntes Vibrieren, was alles auch sinnbildlich für die gesamte lebendige städtische Stimmung von La Confluence stehen kann. Und insofern ist es eben doch eine Verkörperung, eine (fast weiße) Ikone eben, im wahrsten Sinne des Wortes sogar.

 

¹ https://tribunedelyon.fr/2015/04/08/le-come-back-de-jean-nouvel-vingt-ans-apres/; letzter Zugriff 12.01.2020
² https://www.lyoncapitale.fr/actualite/a-lyon-confluence-la-tour-ycone-atteint-un-seuil-du-prix-au-m%C2%B2/; letzter Zugriff 12.01.2020
³ https://www.batiactu.com/edito/tour-ycone-signe-retour-jean-nouvel-a-lyon-55713.php; letzter Zugriff 1212.01.2020
4 http://www.jeannouvel.com/en/projects/ycone/; letzter Zugriff 12.01.2020
5 “Ma can be defined as the natural distance between two or more things, the space deliniated by posts and screens, or the natural pause between two or more phenomena.” (http://www.columbia.edu/itc/ealac/V3613/ma/ald16t01.html; letzter Zugriff 12.01.2020); siehe auch: Nitschke, Günter, MA: Place, Space, Void; https://kyotojournal.org/culture-arts/ma-place-space-void/; letzter Zugriff 12.01.2020; zur weitergehenden Information z.B: http://www.east-asia-architecture.org/downloads/research/MA_-_The_Japanese_Sense_of_Place_-_Forum.pdf; letzter Zugriff 12.01.2020
6 https://nzzas.nzz.ch/kultur/nachhaltiger-staedtebau-lyon-macht-vor-wie-es-geht-ld.1484488?reduced=true; letzter Zugriff 12.01.2020
7 https://archinect.com/news/article/150156120/jean-nouvel-s-new-residential-tower-in-lyon-france-love-it-or-hate-it; last access date 12.01.2020

 

Kommentar

Courtesy of Ateliers Jean Nouvel / Jean Nouvel / Photo © Gaston Bergeret

 

Zur Website von ATELIERS JEAN NOUVEL

 

 

 

Ateliers Jean Nouvel: A nearly white "Ycone" for La Confluence in Lyon

 

In La Confluence, Jean Nouvel, Pritzker Prize winner and architect of icons built worldwide, such as the Institut du Monde Arabe in Paris, Torre Agbar in Barcelona and Musée national du Qatar in Doha, demonstrates that residential buildings can likewise become the centre of attention. The new district of Lyon, with its distinctive name, is not lacking in spectacular buildings and was enriched by another one in 2019. Behind its bright and almost dissolved façade, the tower-like building contains mainly apartments and bears the no less telling name "Ycone".

 

Like a pointed tongue or the head of a dolphin jumping into the water at exactly the point where the Rhône meets the Saône - that's roughly the effect of the far end of the Lyon district, which is now called the same as what happens here: Confluence, in German Zusammenfluss. Between 1770 and 1850, this triangular southern tip of the Perrache peninsula was created by land reclamation to make room for industry, trade, and railways and for all those things the good Lyoner no longer wanted to have around him, such as prisons, slaughterhouses, etc. Since 2003, Lyon has been trying to transform this area of 150 hectares, which has become a wasteland, into a residential and commercial district.

The architectural zeal in the La Confluence district is expected to continue until at least 2025. There are already a few stars here and there, such as Jakob+MacFarlane's Orange Cube, completed in 2010, which was so popular that the building for Euronews' headquarters - also known as the "Green Cube" - was built as early as 2014. Many other renowned architectural firms were allowed to live it up in this urban project: for example Herzog & de Meuron - from whom the 2nd phase of the master plan originated -, coop himmelb(l)au, Odile Decq, Fuksas, MVRDV, to name but a few.

But perhaps all of Lyon had been looking for a very particular architect, and so in 2015, the French press announced "le come-back de Jean Nouvel"1. With this, he was able to complete another work here, after his rebuilding of the Opéra national de Lyon almost three decades ago. This time it is a new building in the 2nd arrondissement. This residential tower with 16 floors, which along with the roof construction, has a height of approximately 64 m, is called Ycone. It offers 92 residential units (including 27 social housing units) ranging in size from 30 to 215 m2, and mix-used areas on the lower levels. The building is located in the street Passage Panama. Whereby at its feet, unfortunately, is not the Panama Canal, nor the Saône or Rhône, but something similarly gliding: a bundle of railway tracks. The latter, together with the all too densely situated office buildings, are not necessarily seen as a poetic element, but are also cited in terms of property prices; for despite the claimed affordability, they are rated as high2. The price per square metre is between 4,800 and 10,000 euros. But this did not seem to have deterred buyers: All apartments were sold within 6 months (35 % of them to investors)3.

Despite all these dry (though important) facts: Ycone is surrounded by water and harbour ambience, which most of the inhabitants can enjoy at least visually, just by its tower-like character. But this is not the only reason why some people might come up with a certain name when they first get to know Ycone: William Turner. The British painter with the incomparable penchant for the wet element had died in 1851 (i.e. shortly after the land reclamation of Lyon was completed) and we may assume that he would have discovered in this building a kind of soul mate of his paintings.

What is it that creates the Turner-Touch? It can be seen in the blurring and apparent smudging of boundaries (this intention is particularly well expressed in the abstract facade studies). Also, the brightness, more precisely the impression of light shining through and the delicate pastel colour atmosphere are part of it. There are probably few buildings where it is worthwhile to view their exterior under different weather conditions, under various lighting conditions. Ycone is an excellent opportunity for this.

So let's start with the building envelope. The striking thing about it is quite obviously its multi-layered structure. It's almost impossible to say how many layers there are (it makes such a dissolved impression), but in the end, there are only two. (Actually, there are three, more about that later). The first thing that catches the eye of the viewer is the fragile-looking metal and white-painted framework. This structure of aluminium profiles (which, incidentally, acts as a structural and material echo of the railway tracks) is placed in front of a balcony and loggia level running all around and is composed in such a way that different shapes of rectangles of various sizes are created. The orthogonal design principle seems to be deliberately random or arbitrary, perhaps to emphasise the feeling of looseness. The rectangles that form this "loose frame" are sometimes left open, sometimes filled with glass. The vertically aligned glass elements in particular often overlap the concrete ceilings: a clever way of expressing the independency of the supporting structure and the shell on the one hand, while at the same time achieving the effect of blurriness or ambiguity already mentioned. Is this confusion intentional? It almost seems so, because the higher the viewers look up at the building, the more questions arise. For example: Why does this metal layer of the façade in the upper realms move away from the building - why this detachment? Depending on the side from which the building is viewed: From about the 7th or 11th floor this metal structure bends outwards. A possible explanation would be that this is the only way to express its detachment and lightness. If this upper area were not treated in this way, the airiness of the entire building envelope would be perceived as considerably less. A witty side effect is perhaps that this gill-like splaying of the upper ends of the façade makes the building look like a large Y in silhouette and thus the first letter of its name.

The climax of the almost floating lightness that is so characteristic of this residential building occurs in the true sense of the word on the roof of Ycone. For it is in this area that it now happens that parts of the façade shell seem to peel off, as it were, and glide gently and smoothly over the head of the building. (Remarkably, this construction is said to weigh 88 tons). According to the form, a persiflage of a gabled roof is created. It is structured in the same grid principle as the rest of the metal façade and is partly fitted with slats (instead of glass). Of course, besides aesthetic effects such as the play of light and shadow, there are also some pragmatic reasons for this type of roof. On the one hand, there is the function of subtle sun protection, because after all there is a swimming pool under the open sky. Furthermore, the roof construction is also conceivable as wind protection. On the other hand, however, there is also the suspicion that this upper finish has a completely different background. Because a gabled roof (even if only a copy of one) seems almost out of place for a tower (if one may call Ycone like that). Was the design office probably forced by planning requirements to provide shade for the top terraces of the apartments? And was the only way out of this situation to have the "gable areas" overhanging them generously? Anyway, in the end, everything comes together very nicely. Because in this way the expression of the areas of the vertical façade that fold away at the top is enriched or even completed: If one now adds the sloping metal roof elements, the whole thing looks as if the outermost façade shell is bursting open or blossoming out towards the top.

Let's stick to the latter metaphorical suggestion and get to the next important theme of this building: the colours. Jean Nouvel does not use anything bright or flowery. Rather, he was inspired by the Vieux-Lyon district, more precisely by its buildings from the Middle Ages and the Renaissance and their pastel-coloured facades. But there is another reason for this special choice and Nouvel formulates it as follows: “I’ve tried, to the best of my powers of understanding and interpretation, to respect the specifications laid down by my friends, Jacques Herzog and Pierre de Meuron, and to thereby play on the pattern of punctuations in white."4 We recall that it was his Swiss colleagues who were in charge of the 2nd phase of the Master Plan in which white seems to play an important role in some way (about which Nouvel leaves us in the dark), which had to be adhered to. And Nouvel kept to it, but in his own way. A little bit mysterious, but quite consistent in his approach, he continues in his remarks about colours in Ycone: he would have diluted a drop of colour into white, a bit like the homeopaths, to create a trace of pastel4. What he might have meant by this is that he used colours in such a low dosage that one could practically call it non-existent and yet (if not striking, then at least subtle and appealing) it affects the whole organism of Ycone.

And just as an organism has a skin, so does this structure, even including the three layers as classified in biology or medicine. These are 1. the epidermis, the metal level of the façade already described and 2. the dermis, the intermediate zone formed by the balcony and loggia level that runs around on all sides, which Nouvel himself refers to as Ma5 based on the Japanese vocabulary (and occupied by people in the most diverse everyday scenes, it is a not insignificant aspect of the facade design). And,  finally, there is 3. the hypodermis, the space-enclosing walls that recede, as it were, from the outermost layer. This "main façade", which appears to be hidden, consists of concrete, wooden and aluminium frames covered with powder-coated aluminium cassettes. The chromatic sequence follows a concept. Earthy and vegetal tones appear in the lower zones. In the middle, the emphasis is on orange and ochre. And towards the sky, more and more blue dabs mix in. The palette comprises 21 tones. Here the influence of the layer of metal and glass in front of it should not be forgotten. For it is above all through the refractions and reflections of the glass surfaces that the perception of the colour nuances is additionally "coloured". Sometimes, of course, the clouds or perhaps other objects in the surroundings are also mirrored in them, thus adding another visual factor of a completely immaterial nature and intensifying the potential of the shimmering.

It's hard to miss: There seem to be no limits to the subtle phenomena at Ycone and so the inhabitants find them even in the inner life of their house. It is not possible to go into every detail, only this much can be said: Especially in the communally used rooms, great importance was placed on the atmosphere. Thus, in the corridors of the floors and/or on the stair landings, one is surrounded by neon-lit polycarbonate plates with a coloured gelatinous layer. Depending on the floor, they pick up four shades of the facade chromaticism.

All spaces in between, such as balconies and terraces, have a synthetic resin floor, which is intended to emphasise the feeling of continuity between the interior and exterior of each apartment. The terraces are given woven lattice railings: an uncomplicated solution that once again creates lightness.  Last but not least: the variety of colours is complemented by a differentiated range of glass. Five variations are used to ensure that the topic of transparency does not become boring: Two smooth types, one of which is reflective and the other clear, and three types of ornamental glass with different surface structures or patterns.

In short, in Ycone the structuralist and contextualist Jean Nouvel tries to show once again how critical he is of the worldwide phenomenon of cloning in architecture. The apartments or other spaces themselves (which will not be discussed further in this article) are at least as versatile as the room heights are slightly differentiated and differently cut units are offered in different sizes. The theme of flora (which Nouvel is increasingly incorporating into his work) also comes into its own, in the form of carefully selected trees in the lower zones. But the most important thing seems to be: Both the exterior and the interior of Ycone vibrate in a sea of colours and materials and light effects. But of course these design elements are not new in Nouvel's work.  Indeed, it may even be worth making a few cross-references to some of his previous projects to understand the evolution of this design (e.g. La Marseillaise, completed in 2018, Tower25-White Walls, completed in 2015 or, to go back much further in chronology, Fondation Cartier, completed in 1994).

"France shows what sustainable urban development looks like," Hubertus Adam says in the Neue Zürcher Zeitung6 in regard to Ycone. "Lyon is starting to look like Coney Island," reads a reader comment on archinect.com7. What is certain is that especially one thing seems to have been successful in this district, which has only been renewed for a few years now and already offers a wide range of opportunities for living, working, leisure and culture: its well-mixed or even lively urbanity. That this is not a matter that can be taken for granted is shown by the strenuous attempts in other countries, such as the HafenCity in Hamburg, which is or was frowned upon rather than popular as a trendy or wealthy district or eco-super-city, but its acceptance is supposed to increase. (Liveliness can only be felt and measured by personal experience. But probably for some people, it remains doubtful whether HafenCity will ever organically transform itself into a vibrant area).

To conclude: Despite its eloquent name and its standing out from the current silhouette of Confluence, Ycone is not necessarily an iconic eye-catcher at first glance. But this building, for all its own subtle expression, stands for lightness, for surprises and for a certain airy and colourful vibration, which can all be symbolic of the overall lively urban spirit of La Confluence. And insofar it is, after all, an embodiment, a (nearly white)  icon, in the truest sense of the word.

Translation by Özlem Özdemir

 

 

 

1  https://tribunedelyon.fr/2015/04/08/le-come-back-de-jean-nouvel-vingt-ans-apres/; last access date 12.01.2020

2   https://www.lyoncapitale.fr/actualite/a-lyon-confluence-la-tour-ycone-atteint-un-seuil-du-prix-au-m%C2%B2/; last access date 1212.01.2020

3 https://www.batiactu.com/edito/tour-ycone-signe-retour-jean-nouvel-a-lyon-55713.php; last access date 1212.01.2020

4  http://www.jeannouvel.com/en/projects/ycone/

5  “Ma can be defined as the natural distance between two or more things, the space deliniated by posts and screens, or the natural pause between two or more phenomena.” (http://www.columbia.edu/itc/ealac/V3613/ma/ald16t01.html; last access date 12.01.2020); siehe auch: Nitschke, Günter, MA: Place, Space, Void; https://kyotojournal.org/culture-arts/ma-place-space-void/; last access date 12.01.2020; zur weitergehenden Information z.B: http://www.east-asia-architecture.org/downloads/research/MA_-_The_Japanese_Sense_of_Place_-_Forum.pdf; last access date 12.01.2020

6  https://nzzas.nzz.ch/kultur/nachhaltiger-staedtebau-lyon-macht-vor-wie-es-geht-ld.1484488?reduced=true; last access date 12.01.2020

7 https://archinect.com/news/article/150156120/jean-nouvel-s-new-residential-tower-in-lyon-france-love-it-or-hate-it; last access date 12.01.2020


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