Swim City, eine ehemalige Ausstellung des S AM in Basel, kommt nach Berlin. Die Leihgabe präsentiert internationale Flussbadprojekte und eine Filminstallation von Jürg Egli im DAZ. Das Architekturzentrum ist ein würdiger neuer Standort, denn auch Berlin besaß seine Flussbäder. Die letzten von ihnen wurden vor 95 Jahren geschlossen. Höchste Zeit für die deutsche Metropole, eine der faszinierendsten urbanen Aktivitäten wiederzubeleben.
12. Juni 2020 | Özlem Özdemir
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wim City fasst ein Phänomen zusammen, das in mehreren Städten auf der ganzen Welt ins Rollen kommt. Von manchen nur als ein erheiterndes Kuriosum oder exotisches Treiben gesehen, ist es in der Schweiz seit den 90 iger Jahren Teil der städtischen Tradition. Bekannt ist etwa das Aareschwimmen in Bern oder auch das Rheinschwimmen in Basel. Mit einem Sprung ins Wasser, ausgerüstet mit einer Tasche namens „Wickelfisch“ (dem Büroangestellte sogar ihre Laptops anvertrauen) steckt man mitten in den Lebensadern der Stadt. Hier lässt man sich wie selbstverständlich vom Fluss dahintreiben. Er bietet Erfrischung, oftmals eine eiskalte. Oder er fungiert als öffentliches Verkehrsmittel, das einen zum Arbeitsplatz befördert.
Basel war also prädestiniert zum ersten Ausstellungsort von Swim City zu werden. Barbara Buser, Leiterin des schweizerischen baubüro in situ, kuratierte die Ausstellung. Andreas Ruby, Museumsdirektor des Schweizerischen Architekturmuseums S AM und Yuma Shinohara gehörten zum Kuratorenteam. Future Architecture Platform (ein Verbund europäischer Architekturinstitutionen, der innovative Positionen in Architektur und Städtebau fördert) wirkte mit bei der Präsentation von internationalen Flussbadprojekten. Zur Auswahl gehören: Ilit Vert (Paris), Pool is Cool (Brüssel), Thames Baths (London), +Pool (New York) und Charles River Swimming Initiative (Boston). Ferner informiert die Ausstellung über die historische Entwicklung in den verschiedenen Städten. Kurzum: Die BesucherInnen schnuppern die Luft des Flussschwimmens.


Besonders spannend ist der Beitrag von Jürg Egli. Seine im und unter Wasser treibende Kamera bewegt sich entlang der Stadtarchitektur und den baumbestandenen Ufern. Sie gleitet unter Brückenkonstruktionen und an Schwimmern vorbei. Plätschern, Zurufe, Gesprächsfetzen, Lachen, das Rauschen des Wassers und andere Laute von Mensch und Natur begleiten die Filmfragmente durch die urbane Landschaft.


Eigentlich wäre es erstaunlich einfach, all das auch selbst zu erleben. Es ist naheliegend und natürlich: Man braucht nur hineinzuspringen. Und doch bleiben die Schweizer Städte die Pioniere dieser Bewegung.
Schauen wir nach Berlin. Um 1900 konnte man wie selbstverständlich in der Spree baden. Außerdem wurde 1919 ein Schwimmwettbewerb auf dem Neuköllner Schifffahrtskanal ausgetragen. Er hatte 117 Teilnehmer und 50.000 Zuschauer. Die heutige Wasserqualität lässt solche spektakulären Veranstaltungen in der Hauptstadt nicht zu – könnte man meinen. Doch Initiativen wie das Flussbad Berlin wollen sie wieder möglich machen. Und die Zukunft sieht vielversprechend aus. Das Flussbad im Spreekanal ist Teil der Koalitionsvereinbarung der Landesregierung. Es ist ein erklärtes städtebauliches Ziel.

Der Berliner Flussbad Pokal ist eine weitere Errungenschaft der Initiative. Dieser Schwimmwettbewerb vor der historischen Kulisse der Innenstadt wird seit 2015 ausgetragen. Und: Das sportliche (Ausnahme-)Ereignis hat sogar einige ästhetische Nebeneffekte. Die halbnackt schwimmenden Berlinerinnen und Berliner wirken vor der ehrwürdigen Kulisse der geschichtsträchtigen Gebäude erfrischend lässig. Städtisches Flussschwimmen bietet einen sichtlich inspirierenden Kontrast. Es besteht ein reizvoller Gegensatz zwischen der soliden Würde der steinernen Stadt und dem fließenden Wasser mit den schwimmenden Menschen. (Wohlgemerkt: Es ist anders als Joggen im Stadtpark.) Das Interessante am urbanen Schwimmen ist die Gegenüberstellung von Architektur und Körperhaltung der Menschen. Erstere ist vertikal und zweitere horizontal. Und es sind vor allem die ins Wasser stürzenden Fassaden, die einen besonderen Effekt bieten. Beispiel: Die sonst unberührbare Außenwand des Bode-Museums entpuppt sich als durchaus nahbar. Der Fluss erweist sich, nicht zuletzt, als eine demokratisierende Gelegenheit. Er trägt alle Menschen der Stadt und bringt sie voran. Er wird zu einer organischen Erweiterung des öffentlichen Raumes.
Ende 2019 kam der Berliner Senat zu einem erfreulichen Entschluss. Am Humboldt-Forum soll eine Freitreppe zum künftigen Flussbad Berlin führen. Und weitere sind noch in Planung. Nun müssen sich nur noch die ökologischen Bedingungen erfüllen. Dann steht der Eröffnung im Jahr 2025 nichts mehr im Wege. Die Zeichen stehen gut für ein aufregendes Kultgeschehen in nicht allzuweiter Ferne. Die Ausstellung Swim City im DAZ gibt einen Vorgeschmack und macht Lust darauf, schon jetzt einzutauchen. Und die Besucherinnen und Besucher sollten nicht vergessen: Die Spree liegt gleich nebenan. ♦

Zur Website von SWIM CITY im DAZ Berlin


