MK&G IN HAMBURG Ausstellung TOGETHER!
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MK&G IN HAMBURG PROKLAMIERT: TOGETHER!

Together! Die neue Architektur der Gemeinschaft ist eine Ausstellung des Vitra Design Museums, kuratiert von Ilka & Andreas Ruby und EM2N. Erneut und erweitert ist sie zu sehen im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg vom 20. November 2020 bis 14. März 2021.

28. Oktober 2020 | Özlem Özdemir

 

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ie stark ist der Gemeinschaftsgedanke beim Bauen? In der Ausstellung Together! gibt es viel Material, um dieser Frage nachzugehen. Modelle, Filme und eine Cluster-Wohnung im Maßstab 1:1 zeigen Beispiele des Bauens und Wohnens im Kollektiv aus Europa, Asien und den USA. Mit enthalten ist auch die Geschichte der gemeinschaftlichen Architektur – von den Reformideen des 19. Jahrhunderts bis hin zur Hippie- und Hausbesetzerszene, die bekannt war für den Slogan „Make love, not lofts“.

Eingeleitet wird die Ausstellung mit Filmen über die historischen Protestbewegungen für Wohnraum. Hinzu kommt ein Ausschnitt von den ersten Kollektivprojekten. Die Phalanstères etwa, die Charles Fourier (1772–1837) als Bauvision entwickelt hatte, ähnelte im Grundriss dem Schloss von Versailles. Hinter herrschaftlicher Fassade verbargen sie Räume, wo man gemeinsam leben, lieben, arbeiten und konsumieren sollte. Von ähnlicher Art sind auch die anderen Beispiele: so die Ende des 19. Jahrhunderts im Tessin entstandene Kolonie Monte Verità, die Wohngenossenschaften der 1920er-Jahre, aber auch die Freistadt Christiania in Kopenhagen oder die Genossenschaft Karthago in Zürich. Fazit für die heutige Zeit: Leben in Gemeinschaft ist noch immer eine interessante Alternative für viele. Paare, Alleinerziehende, Singles und alleinlebende Menschen können profitieren: Das gemeinschaftliche Wohnen bietet mehr Möglichkeiten für Kontakte, aber auch zur Kostensenkung.

Und um diesen aktuellen Stand des kollektiven Bauens geht es im zweiten Teil der Ausstellung. Die Besucher erwartet eine Installation aus 21 großformatigen Modellen von zeitgenössischen Wohnbauprojekten. Integriert sind Arbeiten u. a. von einszueins architektur (Wien), Michael Maltzan Architecture (Los Angeles), pool Architekten (Zürich), Ryue Nishizawa (Tokio) und Heide & von Beckerath (Berlin). Sie zeigen, wie man mit begrenzten Gestaltungsmitteln eine ganz eigene Ästhetik erzielen kann. Und manche Projekte machen es besonders deutlich: Stadt und Wohnraum, Öffentlichkeit und Privatsphäre müssen nicht immer klar getrennt sein. Doch was für viele reizvoll oder aus Gründen der Vereinsamung gar rettend ist, ist anderen nur unbehaglich.

Moriyama House in Tokio
Courtesy of MK&G Hamburg // OFFICE OF RYUE NISHIZAWA Moriyama House, Tokio, 2005 // Photo © Dean Kaufman
Ausstellung Together 2020 in MK&G in Hamburg
Courtesy of MK&G Hamburg // HERTHA HURNAUS Wohnprojekt Wien, 2013 einszueins architektur // Photo © Hertha Hurnaus

 

Im dritten Ausstellungsbereich wird es konkret: Ein 1:1-Modell einer sogenannten Clusterwohnung lädt dazu ein, gemeinschaftliche Bereiche und private Räume hautnah zu erleben. In Grundrissdarstellungen lässt sich nachverfolgen, wie das neue Wohnen in Gemeinschaft funktioniert. Fotografien von Daniel Burchard zeigen ferner acht Projekte aus mehreren Ländern. Sie dokumentieren andersartige Formen des Zusammenlebens, unterbreiten neue Wohnkollektive als Chance für Neukombinationen von Wohnen und Arbeiten, als Labor für gesellschaftliche Entwicklungen.

Schließlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit den ökonomischen und praktischen Seiten der neuen Gemeinschaftsarchitektur und stellt die Frage: Wie lässt sie sich umsetzen? Erklärungen erfolgen in Form von mehreren Projekten: die Sargfabrik in Wien, das Zwicky-Süd in Zürich, La Borda in Barcelona, R50 in Berlin und die Apartments with a Small Restaurant in Tokio. Diese Case Studies präsentieren sich in einem Raum à la Co-Working Space. Das ergibt einen passenden Rahmen für das, worum es geht: die finanziellen Vorteile von neuen Verbindungen zwischen Wohnen, Arbeiten und kulturell-öffentlichem Leben, wofür flexible Büros wie Co-Working Spaces bekanntlich geschaffen sind. So besteht auch das Zürcher Projekt Kalkbreite, neben den Wohnungen, teils aus Gewerbefunktionen und teils aus öffentlichen Einrichtungen. „Ein neues Stück Stadt“ nannte es sich 2006 noch als Vision und wurde 2014 realisiert. Darin enthalten ist ein Kino, ein verpackungsfreier Supermarkt, Restaurants und Cafés, Arztpraxen, diverse Büroflächen und ein Innenhof mit Kinderspielplätzen, der frei zugänglich ist.

Schwimmbad Sargfabrik Wien MK&G Ausstellung Together
Courtesy of MK&G Hamburg // HERTHA HURNAUS Schwimmbad im Kellergeschoss der Sargfabrik, Wien, 1992–96, BKK-2 // Photo © Hertha Hurnaus
Le Corbusier Unite d'Habitation
Courtesy of MK&G Hamburg // LE CORBUSIER (1887-1965) // Unité d’Habitation, Marseille, der Dachgarten als Schulzimmer, Le Corbusier, 1947–52 // Photo © Fondation Le Corbusier/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Sei es politisch, ökonomisch, psychisch oder sozial: Das Thema Wohnen und Wohnraum erfreut sich zunehmender Aktualität. Das Zusammenleben von Menschen jedoch ist, abgesehen von Familien- und Arbeitsleben, noch immer nicht weit genug ausgelotet. Sie sind Randerscheinungen und Sonderfälle der Stadt- und Baukultur. Die Ausstellung Together! demonstriert mit historischen Hintergründen und modernen Beispielen, wie attraktiv Bauprojekte mit kollektivem Esprit und Anspruch sein können und wie sie sich im kommerziellen Wohnungsmarkt behaupten. Indem sie das gegenseitige Bereitstellen von Räumen und Flächen praktizieren, sind sie ein Teil von Sharing Economy und Strömungen wie die bankenkritische Occupy-Bewegung.

Together! erinnert daran und fasst zusammen: Das gesellschaftspolitische Potenzial des Wohnens und Bauens war und ist spannend. Umso erstaunlicher, dass das Thema in der Szene der Architekturausstellungen noch immer selten ist. Zu sehen ist die von Ilka & Andreas Rubys und EM2N kuratierte Ausstellung im MK&G Hamburg vom 20. November 2020 bis 14. März 2021.

(Nachwort: Einen Ausdruck der gemeinschaftlichen Koexistenz hat das Museum für Kunst und Gewerbe auch dauerhaft zu bieten. Wer irgendwann Gelegenheit hat, sollte die Japanische Teezeremonie erleben, dargeboten im Teehaus Shōseian. Hier wird man Zeuge einer wertschätzenden Atmosphäre der Aufmerksamkeit, des Respekts gegenüber Objekten, Prozessen und Menschen. Hier kann man erleben, wie unabdingbar all dies ist für ein erfolgreiches Miteinander. Wie (überlebens)wichtig dieser Geist sein kann, zeigt sich gerade in pandemischen Zeiten wie heute.) ♦

 

MK&G Hamburg Ausstellung 2020 Together Kommune
Courtesy of MK&G Hamburg // WERNER BOKELBERG Kommune 1, 1968 // Photo © Werner Bokelberg

 

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Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg