Urban Infill Lofts von CHYBIK + KRISTOF füllen Baulücke in Brno

12. Juni 2019 | ÖZLEM ÖZDEMIR

Schon beim Namen Brno, der zweitgrößten Stadt Tschechiens, spitzen Architekten weltweit die Ohren. Immerhin kam 1870 der bekannte Architekturkritiker Adolf Loos in Brno zur Welt. Ferner baute sich hier zwischen 1929 und 1930 eine wohlhabende jüdische Familie ein Wohnhaus. Es sollte in die Architekturgeschichte eingehen. Denn für das neue Heim wurde kein geringerer engagiert als Mies van der Rohe. So entstand die Villa Tugendhat. Einige Stadtteile weiter steht das neueste Bauwerk von Ondřej Chybík und Michal Krištof.

Die Brünner Architekten leiten seit 2010 ein eigenes Architekturbüro. Sie sind aufgewachsen mit den Hintergründen der Modernen Architektur, die sie in ihrem Werk gerne aufleben lassen. Genauso spricht ihr Entwurf für Urban Infill Lofts in Brno  in dieser Sprache. Er erinnert, wie selbstverständlich, an das Bauhaus. Aber auch an die Zeit des Tschechischen Funktionalismus. Im Juni erhielten beide Architekten den vom Architectural Record Magazine verliehenen Design Vanguard 2019.

 

 

Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITEKTEN & URBAN DESIGNERS / Photo by  alex shoots buildings

 

Dort wo sich die Straßen Mlýnská und Masná kreuzen steht es: Das fünfstöckige Gebäude mit der sowohl prägnanten als auch etwas irritierenden Lichtinstallation besteht aus 14 Lofts und Gewerbeflächen. Inklusive Panoramablick auf die Stadt. Die Architekten CHYBIK + KRISTOF steigern das Potenzial des begrenzten Grundstücks. Dazu nutzen sie einen unregelmäßigen Polygongrundriss. Und genau dieser bringt wie von allein eine geometrisch angelegte und skulptural anmutende „Skulpturtreppe“ hervor. Weiterhin auffällig ist ein Eckstück der Fassade. Statt eines Fensters erhält es eine Lichtinstallation. Aber vor allem bietet das Gebäude durch seine Nähe zum Zentrum alle Vorteile des urbanen Lebens. Außerdem soll es zu einem Wahrzeichen der Region werden. So die ehrgeizigen Ziele des jungen Büros für Urban Infill Lofts.

 

„Die künstlerische Version eines Blitzableiters und der Titel eines Doors-Songs, glücklich vereint an der Fassade eines tschechischen Gebäudes“

 

Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Photo by alex shoots buildings

 

Pragmatische Lösung von CHYBIK + KRISTOF für den urbanen Wandel

Brno ist die zweitgrößte Stadt der Tschechischen Republik. Die Urban Infill Lofts stehen in einem ehemaligen Industriegebiet, das sich derzeit in einem großen Umbruch befindet. Wobei dieser Entwurf das erste wesentliche Projekt südöstlich des Stadtzentrums ist und zu weiteren Stadtentwicklungen in diesem Areal anregen soll. „In einer komplexen Stadtstruktur sind Infills eine pragmatische Lösung für einen nachhaltigen urbanen Wandel. Vielversprechende bestehende Grundstücke und Infrastrukturen müssen überarbeitet und neu gestaltet werden.“ So die Architekten.

Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Photo by Boys Play Nice

 

Fassadenschmuck à la Riders on the Storm

Es gibt wenige Gebäude, die danach verlangen, bei Gewitter abgelichtet zu werden. Urban Unfill Lofts aber ist wie geschaffen dafür. Schuld daran ist die Neonlichtinstallation im obersten Geschoss. Entworfen wurde sie von Petr Dub. Ihr Name: The Riders on the Storm. Die künstlerische Version eines Blitzableiters und der Titel eines Doors-Songs. Beide glücklich vereint an der Fassade eines tschechischen Gebäudes.

 

Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Image by CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS

 

Ein neuer visueller Anker

Die Architekten ließen sich bei ihrem Design leiten von den historischen Aspekten der Umgebung. Gleichzeitig verwendeten sie aber moderne Gestaltungselemente. Hierbei liegt das dominierende Merkmal in den großen Fenstern. Diese sollen an das industrielle Erbe des Gebäudes erinnern. Der Entwurf unterstreicht den traditionellen Typ eines Eckgebäudes an einer Straßenkreuzung. Der Baukörper wird zum visueller urbaner Anker. Und zu einer Orientierung beim Durchstreifen der Stadt. Denn ihre Vertikalität und die dekorativen Elemente signalisieren Bedeutsamkeit.

Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Image by CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS
Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Photo by alex shoots buildings

 

Das Herzstück des Gebäudes ist eine skulpturale Treppe, die die Mietwohnungen miteinander verbindet. Auf einer Fläche von 269 qm haben die Architekten ein fünfgeschossiges Bauwerk errichtet. Dabei entstand eine Gesamtnutzfläche von 1200 qm. Diese verteilt sich sowohl auf 14 Wohnungen als auch auf Gewerbeflächen.

Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Image by CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS
Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Photo by alex shoots buildings
Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Photo by alex shoots buildings

 

Edel und erschwinglich

Stahlbeton, Eschenholz und glatte weiße Wände. Das sind die herausragenden Materialien dieses zurückhaltenden Eckgebäudes. Trotzdem sind die designbewussten Lofts erschwinglich. Und sie stehen einer breiteren Zielgruppe zur Verfügung. Laut Ondřej Chybík wird die Innenarchitektur des Gebäudes durch eine sozial orientierte Strategie geprägt. „Durch die Verwendung erschwinglicherer Materialien konnten wir die großzügigen Lofts für ein breites Spektrum von Bewohnern öffnen“, sagt der Architekt.

 

Kommentar

Courtesy of CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS & URBAN DESIGNERS / Photo by Vojtech Veskrna (links: Ondřej Chybík / rechts: Michal Krištof)

 

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